Vojta

(Kinder und Erwachsene)

Diese Therapieform ist benannt nach Dr. Vaclav Vojta und kann vom ersten Tag unseres Lebens bis ins hohe Alter angewendet werden. Es können Störungen des Haltungs- und Bewegungsapparates sowie des zentralen Nervensystems (egal welcher Ursache) behandelt werden. Über die Reflexlokomotion nach Vojta regt der Vojta-Therapeut das Gehirn bei jedem Menschen an, angeborene sowie gespeicherte Bewegungsmuster unseres Körpers abzurufen, mit dem Ziel diese Bewegungsmuster koordiniert in die Spontanmotorik zu übernehmen. Liegen Störungen in den o. g. Bereichen vor, so kann der betroffene Mensch diese nur eingeschränkt abrufen und kompensiert über Ausweichmuster (Ersatzmuster). Diese Ersatzmuster verankern sich dann in unserer Spontanmotorik. Ziel der Therapie ist es, so viele Teilbereiche des Nervensystems zwischen Gehirn und Rückenmark zu aktivieren, neu anzubahnen oder wieder freizuschalten, damit der Patient ein normales / ökonomisches Bewegungsmuster spontan benutzen kann.

Der Vojta-Therapeut erarbeitet sich diese Bewegungsmuster über einen gezielten Druck in genau definierten Zonen in Rücken-, Bauch- und Seitenlage. Im Gegensatz zum Bobath-Konzept werden in der Reflexlokomotion nach Vjota keine Bewegungsübergänge oder Bewegungsabläufe, wie z.B. das Greifen oder Laufen erarbeitet, sondern es soll über die Anbahnung und Aktivierung der Bewegungsmuster zu einer positiven Veränderung der spontanen unbewussten Haltung und Bewegung des Patienten kommen, indem es im Gehirn abgespeichert wird.

Nach der Vojta-Behandlung bleibt dieser positive Effekt unterschiedlich lange aktiv. Das Nervensystem greift für einen gewissen Zeitraum auf das angebahnte physiologische Bewegungsmuster zurück. Aus diesem Grund ist es wichtig (besonders bei Säuglingen) bis zu 4 mal am Tag zu turnen, damit die Therapie erfolgreich ist. Eine Therapieeinheit dauert zwischen 5 bis 20 Minuten. Bei den Kindern führen die Eltern die Vojta-Therapie als Co-Therapeuten zu Hause durch. Sie werden hierbei vom Vojta-Therapeuten angelernt und immer wieder überprüft.

Je nach Alter des Patienten ändert sich die jeweilige Zielsetzung. Bei Säuglingen ist das zentrale Nervensystem noch formbar, so dass sich die abnormalen Ersatzmuster noch verändern lassen, da die jeweiligen Nervenbahnen oftmals nur „blockiert“ sind. Daher ist es wichtig so früh wie möglich mit der Therapie anzufangen und sie 4 mal am Tag auszuführen, um das physiologische Bewegungsmuster im Gehirn dauerhaft abzuspeichern. Ersatzmuster manifestieren sich recht schnell, wenn das Kind bemüht ist Kontakt mit seiner Umwelt aufzunehmen. Bei Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen kann über die Therapie der Wachstums- sowie Reifungsprozess noch beeinflusst werden. Bei Erwachsenen kann der Vojta-Therapeut auf das ehemals gesunde Nervensystem zurückgreifen, um Folgeerscheinungen wie z.B. Schmerzen, Haltungsschäden, Kraft- oder Funktionsverlust zu verringern.

Im Ganzen hat die Vojta-Therapie nicht nur eine positive Wirkung auf unser Gleichgewicht, die Aufrichtung des Körpers gegen die Schwerkraft sowie Greif- und Schrittbewegungen der Arme und Beine, sondern es kommt zudem zu vegetativen Reaktionen wie z.B. einer vermehrten Durchblutung der Haut, Normalisierung des Schlaf-Wachrhythmus oder regulierenden Funktion der Blasen- und Darmentleerung. Weiterhin werden die Atmungs-, Saug-, Schluck- und Kaubewegungen erleichtert.

Zu guter Letzt wird unsere Wahrnehmung im Bezug auf kalt, warm, spitz, stumpf, Raumorientierung sowie die eigene Körperwahrnehmung positiv beeinflusst.

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